Wichtige Kryptosporidien-Information


Bevor Ihr, liebe Leser, diese informativen Leopardgeckoseiten studiert, schenkt uns etwas Aufmerksamkeit.

Die Leopardgecko-Beschreibungen werden auf dieser Homepage nicht mehr aktualisiert, da wir unsere Zucht aufgegeben haben. Grund dafür war eine Infektion des gesamten Leopardgecko-Bestandes mit Kryptosporidien.

Der Folgende Text ist sehr lang, beinhaltet aber die Gesamte Geschichte unserer Zuchtgruppe und warum sie sterben mussten. Wer sich grade für Leopardgeckos entscheidet, sollte genauestens auf den Züchter schauen, der die Tiere verkauft. Kranke Tiere dürfen sowieso nicht gekauft werden und Farbzuchten aus dem Ausland sollten mit strenger Quarantäne überwacht werden. Mehrere negative Kotproben auf Kryptosporidien sollten untersucht werden, bevor das Tier als gesund gelten kann. Achtet in der Quarantäne darauf, dass Ihr keinen Kontakt ohne Handschuhe mit den Tieren oder deren Kot habt. Verwendet keine Gegenstände, die später wieder in Terrarien kommen. Da sich dieses Problem ausbreitet, sind längst nicht mehr nur Farbzuchten betroffen!

Mehr Informationen zu diesem Thema und auch Meinungen von Experten findet Ihr hier.

Was sind Kryptosporidien? Wir versuchen weiter unten nach unserem Wissen eine Erklärung zu geben, die jedoch keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit stellt. Der Tierarzt Eures Vertrauens wird Euch Eure Fragen beantworten können.

Vor etwa zwei Jahren nahm Sandra zwei kranke Leopardgeckos (Nala und Gelbling) auf, die sie einem befreundeten Terrarianer abgenommen hatte. Die Tiere stammten von einer holländischen Börse von jemanden, der sehr viele Farbzuchten anbot. Ursprünglich bestand die Gruppe beim Vorbesitzer aus vier oder fünf Tieren, die alle nicht richtig wuchsen und Durchfall und Erbrechen zeigten. Die fortschreitende Abmagerung machte den Tieren zu schaffen.

Die üblichen Standard-Kotproben ergaben einen Befall mit Oxyuren und Kokzidien, letztere massenweise. Sandra hatte schon Erfahrung mit der Behandlung dieser Parasiten und mit Hilfe des Tierarztes wurden die Tiere daraufhin behandelt. Die Tiere zeigten jedoch weiterhin extremen Wasserdurchfall und wiederholtes Erbrechen. Gelbling bekam dann eine Augeninfektion, wohl in Folge des geschwächten Immunsystems (durch die Abmagerung). Gelbling verstarb kurz darauf in ihrem Terrarium. Sie versuchte noch einmal Sandra zu beißen und rannte in ihr Versteck, die Beine jedoch gehorchten den Befehlen nicht mehr und bald darauf trat der Tod ein.

Aufgrund des schlechten Allgemeinbefindens war das keine überraschende Situation. Zu aller Freude erholte sich Nala zusehends, der Durchfall verschwand und das Erbrechen auch, sie nahm zu und schien gesund. Folgende Kotproben brachten nur negative Ergebnisse.

Im April 2005 zog Sandra mit den gesamten Terrarien um, danach wurden ihre Leopardgeckos mit denen von Ralf zu einer Gruppe zusammen gestellt. Alle Tiere wurden vorher auf Parasiten untersucht - ohne Befund.

Nach einiger Zeit stellte Cheesy - eins unserer Männchen - das Fressen ein und bekam Durchfall, Erbrochen hatte er einmal. Da er aber auch nach 4 Wochen nicht fraß und der Durchfall schlimmer wurde, stand ein Tierarzt-Besuch an. Dieser stellte Flagellaten fest, Cheesy kam in Quarantäne.

Nun trafen wir eine Folgenschwere Entscheidung und setzten Dicker (unser anderes Männchen) zu der verbliebenen Gruppe dazu, da bis auf Cheesy alle Tiere ok schienen. Cheesy dagegen magerte trotz Behandlung gegen Flagellaten ab, erbrach jedes Futter und der Durchfall wollte nicht aufhören. Als unser Weibchen Jungle nach einer erfolgreichen Eiablage ihr Futter erbrach, klingelten bei uns die Alarmglocken, dass hier etwas größeres nicht stimmt.

Jungle kam ebenfalls in Quarantäne, der Rest der Gruppe zeigte keine Auffälligkeiten. In der Zwischenzeit suchte Sandra im Internet nach Möglichen Ursachen für die Problematik. Immer mal wieder fiel das Wort Kryptosporidien im Bezug auf Menschen. Erstaunlicher Weise hörte Sandra in Foren und über andere Kontakte, dass es eine merkwürdige Leopardgeckoseuche gab die sich in letzter Zeit ausgebreitet hat. Grade im Zusammenhang mit Farbzuchten schien sich das Problem zu verbreiten, besonders bei einem bestimmten Züchter aus England.

Als sich der Zustand von Cheesy und Jungle weiter verschlechterte besuchten wir Dr. Biron in Düsseldorf. Sandra teilte ihm ihre Recherche über Kryptosporidien mit und er kannte das Problem. Daraufhin wurden Darmspülungen bei den Tieren gemacht und bei Cheesy der Mageninhalt untersucht - da er sich beim Tierarzt übergab. Kryptosporidien findet man bei einer normalen Kotuntersuchung nicht, das Labor muss wissen nach was es suchen soll, durch ein Färbeverfahren können diese Parasiten gefunden werden.

Ein paar Tage drauf, folgte der Anruf des Tierarztes mit dem Ergebnis - POSITIV. Für uns war das ein gewaltiger Schreck, da wir von Kryptosporidien nichts gutes gelesen haben. Die Behandlung unserer Tiere beschränkte sich auf die tägliche Gabe von Wasser per Pipette um die Dehydration zu bremsen. Bioserin half etwas gegen die Abmagerung, ein Mittel gegen Erbrechen sollte dieses verhindern. Etwas anderes hatte keinen Sinn - es gibt kein Heilmittel! Man kann mit bestimmten Medikamenten vielleicht die Symptome unterdrücken, aber gänzlich weg bekommt man die Parasiten nicht.

Kryptosporidien verursachen heftigen Durchfall und in Folge Dehydration, Erbrechen und Abmagerung. Je nach Zustand des infizierten Tieres kann es früher oder später zum Ausbruch kommen. Allerdings können infizierte Tiere auch jahrelang ohne Symptome leben! Der Nachweis dieser Parasiten ist auch nicht einfach, wenn die Tiere keine Krankheitsanzeichen zeigen. Es können mehrere Kotproben negativ ausfallen, obwohl das Tier infiziert ist. Uns wurde erklärt, dass die Kryptosporidien mit dem Immunsystem des Wirtstieres spielen. Ist das Tier geschwächt (Umzug, Stress...) können die genannten Symptome auftreten und kurz bevor der Körper sich gegen die Parasiten wehren kann, verschwinden diese in den Zellen und geben Ruhe - das Tier erholt sich langsam wieder.

Eine Infektion bedeutet also eine immer wieder kehrende Serie von Durchfall, Erbrechen und Abmagerung. Um die Tiere vor ihrem eigenen Kot zu schützen (indem sich massenweise Dauerstadien der Parasiten befinden) ist strengste Haltungshygiene angesagt. Haltung auf Küchenpapier, täglicher Wechsel bei Kotabsatz. Um unsere anderen Reptilien - und uns - zu schützen, hantierten wir ausschließlich mit Einmalhandschuhen bei den infizierten Tieren.

Infizierte Tiere können jahrelang mit der Infektion leben, bis irgendwann ihr Körper so geschwächt ist, dass sie sich nicht mehr gegen die Kryptosporidien wehren können. Der Zustand der Tiere verschlechtert sich dramatisch und bevor die Tiere dahinsiechen, ist eine Einschläferung anzuraten.

Was passierte nun mit unseren Tieren? Der Bestand wurde in vier Quarantäneboxen aufgeteilt und in einem Raum untergebracht, wo keine anderen Reptilien waren. Die infizierten Tiere wurden stets zuletzt versorgt und immer mit Handschuhen, um keine Dauerstadien auf die anderen Terrarien zu übertragen. Das ging etwa ein Jahr lang gut, in der Zwischenzeit wurden Cheesy und Jungle eingeschläfert, Little Sue starb. Bobtail zeigte Symptome, alle anderen Tiere zeigten einmalig Symptome, befanden sich aber in gutem Zustand. Wir sprachen mit vielen Parasitologen, berieten uns mit Bekannten und unserem Tierarzt. Die Ansteckungsgefahr war sehr hoch und wir hatten stets Angst, die Kryptosporidien zu verschleppen. Es mag Leute geben, die diese Parasiten herunterspielen, es sollte einem aber zu denken geben, wenn der Tierarzt selbst die infizierten Tiere schnellstmöglich wieder aus einer Praxis haben will!

Von der gesamten infizierten Zuchtgruppe hatten wir noch jede Menge Eier im Inkubator. Da uns niemand sagen konnte, ob die Parasiten auf die Eier übergehen, entschlossen wir uns, die Eier zu vernichten. Bis auf vier Stück, die schon sehr weit entwickelt waren. Aufgrund dieser Aktion bekamen wir einiges an Unverständnis zu spüren, denn man tötet doch kein ungeborenes Leben. Was aber, wenn alle diese 20 Jungtiere positiv auf Kryptosporidien gewesen wären? Mit der Zahl der infizierten Tiere steigt die Ansteckungsgefahr - verkaufen könnten wir die Tiere nicht. Es sei denn wir handeln wie diejenigen, die bewusst kranke Tiere verkaufen.

Aus den vier verbliebenen Eiern schlüpften Jungtiere, von drei verschiedenen Müttern unserer Zuchtgruppe. Die Jungtiere wuchsen in Quarantäne auf (sicherheitshalber) und wurden insgesamt 5 mal negativ auf Kryptosporidien getestet. Wir planten schon, mit diesen Tieren eine neue, gesunde, Zuchtgruppe aufzubauen und freuten uns. Zu früh gefreut - der sechste Test (in insgesamt 7 Monaten) war positiv! Womit bewiesen wäre, dass Kryptosporidien auf die Jungtiere übergehen.

Nach langer Überlegungsphase trafen wir die Entscheidung, alle Leopardgeckos einschläfern zu lassen.

Wer uns deswegen verurteilen möchte, weil sich darunter auch Tiere befanden die noch sehr gut aussahen - dem sei gesagt: Ja, wir haben eine Verantwortung gegenüber dieser Tiere. Jedoch haben wir auch eine Verantwortung gegenüber den anderen Tieren in unserem Bestand. Diese gilt es zu schützen um diese Seuche nicht weiter zu verbreiten! Die Entscheidung war sicher nicht leicht, insgesamt 8 der geliebten Leopardgeckos töten zu lassen. Zwei jüngere Tiere bekamen eine Chance bei einer Sprechstundenhilfe des Tierarztes, die wusste auf was sie sich einließ.

Bevor der Entschluss zur Einschläferung gefallen war, machten wir uns Gedanken, ob die Tiere für die Wissenschaft nützlich wären. So fragten wir bei Exomed an, ob sie die eingeschläferten Tiere brauchen können (für Tests, Sektionen usw). Exomed bekundete jedoch Interesse an den lebenden Tieren für die Forschung, an ihnen würden neue Medikamente gegen Kryptosporidien getestet. Tierversuche wird sich jetzt mancher denken. Aber wenn diese Tiere helfen könnten, andere zu retten? Wir entschlossen uns, die Tiere an Exomed abzugeben. Jedoch teilte Exomed uns dann mit, dass sie noch kein Interesse an den Tieren hätten, weil sie die neuen Medikamente noch nicht hätten und auch nicht wüssten, wann sie die bekämen. Da wir aber kein weiteres Jahr mit der Gefahr Kryptosporidien leben wollten, gab es nur noch die Einschläferung.

Wir hatten auch keine Bekannten ohne Reptilien, die in der Lage gewesen wären, die Tiere bis an ihr Lebensende zu pflegen und wir waren kein Krankenhaus (kein einzelner Raum für Quarantäne, jeder Raum ist auch Wohnraum).

Vielleicht wird es in ein paar Jahren, wenn sich diese Seuche wieder gelegt hat, neue Leopardgeckos bei uns geben. Momentan nicht. Alle Terrarien, die mit den Kryptosporidien in Kontakt kamen wurden entsorgt. Es gibt zwar Desinfektionsmittel, die sind jedoch in der Anwendung mit Vorsicht zu genießen.

In unserem Herzen werden unsere Leopardgeckos immer sein, denn sie waren einzigartig.

In Gedenken an Bobtail, Lona, Jungle, Nala, Gelbling, Cheesy, Dicker, Mary 1, Mary 2, Little Sue + 2 Jungtiere, denen wir noch keine Namen geben konnten.

Wir wünschen uns, dass Mary 3 bis ans Ende ihrer Tage glücklich leben wird, sie ist die einzige die niemals in Kontakt mit den infizierten Tieren kam und wurde in gute Hände abgegeben.




Nala













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